Das Hutgeschäft hatte eine grandiose Feier zum 60. Geburtstag.

Es dankt allen Mitwirkenden und Zuschauern für ein gelungenes Fest!

„Hüte zu verkaufen war früher nicht einfacher, es war anders“, sagt Andrea Veth. In dritter Generation führt die heute 46-Jährige das letzte Hutgeschäft in der Innenstadt von Speyer. Vor 60 Jahren hatte die Großmutter der heutigen Inhaberin, Maria Wilkens, damit begonnen, Hüte für die Speyerer Damenwelt zu ziehen. Das war 1951 und die ersten Hüte nahmen in der Küche einer winzigen Wohnung in der Gayerstraße Gestalt an.

 

„Meine Mutter war eine echte Künstlerin“, erinnert sich Christa Beisel, die dem Unternehmen in den Jahren 1972 bis 1999 vorgestanden hatte. Maria Wilkens nähte ihre Hüte aus dem Stoff alter Soldatenmäntel. Mit Nadel und Faden entstanden Blumen und Schleifen aus Fahnentuch und schon 1956 zog der Damenhutsalon in die Korngasse.

„Damals gab es in Speyer fünf Hutgeschäfte“, erinnert sich Christa Beisel. Heute ist „Hut Beisel“ nicht nur das erste und einzige Haus am Platz, sondern zählt, seit 2007 die neuen  Geschäftsräume in der Rossmarktstraße bezogen wurden, auch zu den größten Fachgeschäften für Hutmode in Rheinland-Pfalz.

„Bis dahin war es ein langer Weg“, sagt Christa Beisel. Kaum ein Tourist, der heute die südländische Gelassenheit und das mittelalterliche Flair auf der Maximilianstraße genießt, kann sich vorstellen, dass bis Ende der 1980er Jahre ein Großteil des Speyerer Stadtverkehrs zwischen Altpörtel und Dom geflossen ist. „Anfang der 1970er Jahre gab es in der Altstadt von Speyer noch richtige Bauern“, sagt Christa Beisel. Die Felder lagen westlich der Eisenbahnlinie, in der Gegend der Verwaltungshochschule und dort, wo heute das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus steht. Auch die Regionen nördlich von Speyer, in der Auestraße und am Industriegebiet West, waren in den 1960er Jahren von Sand und Ackerbau geprägt.

„Speyer hat eine enorme Entwicklung genommen“, sagt Andrea Veth und erinnert daran, dass nicht nur die Wurzeln des weltbekannten Schuh-Hauses Salamander in Speyer gründen. Zeitweise wurde der, in den 1950er und -60er Jahren beliebte Heinkelroller und die Kunststoff-Karrosserie des Porsche 904 (Porsche Carrera GTS) in den Hallen der ehemaligen Pfalz-Flugzeugwerke gebaut. Speyer war Sitz eines Oberpostamtes und des Regierungspräsidiums und auch die Ansiedlung der Erdöl-Raffinerien und der Ausbau des Hafens haben Einfluss auf das Lebensgefühl und die Strukturen der Stadt genommen.

Zu den Konstanten, die das Leben der Menschen in Speyer seit 60 Jahren ausmachen, zählen, da sind sich Andrea Veth und Christa Beisel sicher, Hüte mit Qualität. Aus diesem Grund machen sich Tochter und Mutter auch keine Sorgen über die Zukunft ihres Geschäftes. „Natürlich schreitet die Zeit voran“, sagt Christa Beisel, aber als Unternehmerin 60 Jahre Stadtgeschichte zu erleben mache Mut, dass es auch morgen weiter geht. Es komme darauf an zuzupacken, statt abzuwarten „und Hüte werden immer gebraucht.“

Text von Cornelius Bischoff